Gibt es eine
Liste von guten oder fairen Spielzeugen? Wo sollten KonsumentInnen ihre
Spielsachen kaufen? Leider
gibt es bisher kein Gütesiegel für faires Spielzeug und wir haben
auch keine Liste mit fair agierenden Spielzeug-HändlerInnen und
-Unternehmen. Ausnahmen bilden die Spielzeuge, die in den Weltläden
angeboten werden und heimisches Holzspielzeug z.B. der Firma Matador.
Bei allen anderen Unternehmen ist die Situation derzeit noch nicht so,
dass wir sie mit gutem Gewissen empfehlen könnten, auch nicht bei
jenen, die sich bereits engagieren. Es gibt immer mehr Firmen,
die
Wert auf soziale Aspekte in der Produktion legen. Auch viele
Markenfirmen machen Fortschritte zumindest auf dem Papier indem sie
Verhaltenskodizes einführen oder sich dem sogenannten ICTI CARE
Prozess anschließen. Dieser soll sicherstellen, dass Arbeits- und
Menscherechte in der gesamten Produktionskette eingehalten werden.
Allerdings scheitert es meist an der Umsetzung und Überprüfung dieser
Politiken. Es ist wichtig, dass die ArbeiterInnen selbst,
PersonalvertreterInnen und NGOs bei der Umsetzung und Überprüfung der
Kodizes mitwirken, was wir Multi-Stakeholder-Initiativen (MSI) nennen,
die eine unabhängige Prüfung sicherstellen würden. Diese gibt es
bereits in der Bekleidungs- und Sportindustrie, aber noch nicht im
Bereich der Spielzeugproduktion. Die Teilnahme an diesen
Multi-Stakeholder-Initiativen bedeutet zwar nicht automatisch, dass die
Firma dadurch fair wird, aber es bedeutet, dass sie sich zu gewissen
Arbeitsstandards bekennt, diese unabhängig überprüft werden und die
ArbeiterInnen bei der betreffenden Multi-Stakeholder-Initiative
Beschwerde einlegen können, wenn gegen die Bestimmungen des Kodex
verstoßen wurde.
Warum gibt es kein Siegel für faires
Spielzeug? Wir
könnten ein Spielzeug erst dann labeln, wenn wir uns 100%ig sicher
wären, dass es unter fairen Arbeitsbedingungen gefertigt wurde. Dazu
müssen wir uns zuerst aber sicher sein, dass in allen Produktions- und
Zulieferbetrieben alle Arbeitsstandards umgesetzt werden und die
Umsetzung bzw. Einhaltung dieser durch unabhängige Organisationen bzw.
Initiativen überprüft werden. Und selbst dann wäre es sehr schwierig
zu garantieren, dass das einzelne Spielzeug wirklich 100% fair
ist.
Ist ein
faires Spielzeug nicht teuer? Auch
wenn dies oft als Argument von Firmen vorgebracht wird, den
Verhaltenskodex nicht umsetzen zu können NEIN. Diese Behauptung ist
bei näherer Betrachtung sogar lächerlich: Die Lohnkosten bei einer
Barbie Puppe betragen rund 0,8% des Verkaufspreises. Wenn als
Extrembeispiel die Löhne verdoppelt würden, und diese Verdoppelung
direkt an die KonsumentInnen weitergegeben würde, würde eine Barbie,
die vorher 15 Euro kostet, 15,12 Euro kosten. Außerdem sollte die
Lohnerhöhung ohnehin nicht von den KonsumentInnen, sondern von der
Markenfirma getragen werden, die den Löwenanteil am Gewinn
einfährt. Neben
einer reinen Lohnerhöhung sind oft andere Maßnahmen nötig, wie z.B.
Verbesserung von Belüftung und Sicherheit am Arbeitsplatz, verbesserte
Schlafstätten und Essen in den Fabriken. Und auch diese würden keine
merkbare Verteuerung der Spielsachen
hervorrufen.
Woher weiß ich, von wem bzw. wo meine Spielzeuge produziert
werden? Der
erste Anhaltspunkt ist der Aufdruck bzw. das Etikett am Spielzeug
selbst. Mit den darauf enthaltenen Informationen sollte alles über die
Erzeuger-/Herstellerfirma in Erfahrung zu bringen sein. Dafür gibt es
mehrere Datenbanken im Internet. Unter www.wer-zu-wem.de
kann man/frau recherchieren, welche Marke zu welchem Unternehmen
gehört. Eine kostenlose Datenbank für US-Produkte bietet die
US-Federal Trade Commission (www.fcc.gov). Unter www.hoovers.com findet
man
eine große Datenbank mit Suchfunktion für Markenfirmen, und Corpwatch
(www.corpwatch.org) bietet eine Anleitung
für Nachforschungen (unter Research
Tools).
Ruft
die Kampagne Spielsachen fair machen! zum Boykott
auf? Nein!
Spielsachen fair machen! möchte, dass die ArbeiterInnen ihre Jobs
behalten. Es wäre die schlechteste Variante, wenn Firmen den Handel mit
Fabriken oder Ländern abbrechen und sich woanders ansiedeln. Wir halten
KonsumentInnen dazu an, weiterhin Spielsachen zu kaufen, damit die
Firmen auch in Zukunft in den gleichen Fabriken produzieren, aber unter
besseren Arbeitsbedingungen und unter weniger Leistungsdruck. Dafür
bitten wir die KonsumentInnen gemeinsam mit uns die Firmen weiter
aufzufordern, langfristige, ethisch einwandfreie Verträge mit den
ProduzentInnen einzugehen.
Sind auch Klein- und Mittelbetriebe
verantwortlich für die Arbeitsbedingungen bei ihren
Zulieferbetrieben? Keine
Firma kann von der Verantwortung ausgeschlossen werden. Auch Klein- und
Mittelbetriebe müssen die Herkunft der von ihnen weiter verwendeten
Komponenten und Spielzeuge überprüfen und sich für faire
Arbeitsbedingungen einsetzen. Um ihnen das zu erleichtern, können sie
sich dem ICTI Care Prozess anschließen und dort eine Multi-Stakeholder
Initiative einfordern. |